Ausstellung

Konzept Hiroshi Sugimoto arbeitet seit über dreißig Jahren fast ausschließlich im Medium der Schwarz-Weiß Fotografie und schafft höchst präzise, sehr ruhige Darstellungen, die sich mit Fragen von Realität und Abbildung, mit Zeit, dem Vergehen und Festhalten von Zeit und vor allem mit Schatten und fein nuancierten Abstufungen von Grautönen beschäftigen. Seine Werke sind konzentriert, sehr präsent und einnehmend. In ihrer Klarheit strahlen sie Stille und Ruhe aus und wirken teilweise meditativ, was man gern mit der japanischen Herkunft des Künstlers in Verbindung bringen möchte. Sugimoto wurde 1948 in Tokyo geboren und siedelte Anfang der 1970er Jahre zunächst nach Los Angeles und schließlich nach New York um, wo er bis heute neben seinem Wohnsitz in Tokyo lebt und arbeitet.

Sugimoto arbeitet stets in Serien, die sich häufig über mehrere Jahre erstrecken. Seine Themen sind sehr unterschiedlich, doch in ihrem Ursprung dadurch verbunden, dass es sich nie um spontane Schnappschüsse, sondern um wohlüberlegte und geplante Aufnahmen handelt, die mit größter Präzision und technischer Perfektion realisiert wurden. „Ich bin kein Jäger“, sagt Sugimoto, „ich habe meine Bilder schon im Kopf, dann gehe ich raus, um diese Ideen zu realisieren.“

Seine früheste Serie ist die der Dioramen. Im American Museum of Natural History in New York begann er, die ausgestopften Tiere vor gemalten Kulissen zu fotografieren. Die Fotografie hebt die Grenze zwischen dreidimensionaler ‚Wirklichkeit’ und zweidimensionaler Täuschung auf und lässt die Darstellung realer erscheinen als das Diorama selbst und wirft so Fragen nach Realität und Wiedergabe sowie der Objektivität der Fotografie auf. Auch Sugimotos Serie der Porträts, in der er berühmte Persönlichkeiten wie Heinrich VIII. und seine sechs Frauen in Madame Toussauds Wachsfigurenkabinett fotografierte, spielt mit dieser Irritation zwischen Illusion und Wirklichkeit.

Der Frage folgend, wie man einen Film in seiner gesamten Länge in einem einzigen Bild festhalten könnte, entstand seine Serie der Theater, in der er aufwendig ausgestattete amerikanische Lichtspieltheater sowie Drive-In Kinos in Langzeitbelichtungen in der Dauer des gezeigten Films festhielt. Die Leinwand erscheint in den Aufnahmen gänzlich Weiß und wie von Innen heraus strahlend.

Der Ursprung der „Seascape“ Serie bezieht sich auf einen anderen Aspekt der Vergänglichkeit von Zeit. Sugimoto fragte sich „ob heutzutage jemand etwas genauso sehen könnte, wie Menschen es aus der Urzeit gesehen haben.“ Das Meer, so denkt er, ist eine solch unveränderliche Szenerie. Seine Meerlandschaften bestehen aus genau in der Mitte des Bildes geteilten Aufnahmen von Wasser, Horizont und Himmel.

Über diese Serien hinaus umfasst die Ausstellung auch Beispiele aus Sugimotos Werkgruppen „Architecture“, „Colors of Shadow“ oder „Conceptual Forms“ sowie Werke seiner neuesten Serie der „Lightning fields“, die zufällig entstandene Lichtblitze auf Fotomaterial bannen.

Katalog Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Hatje Cantz Verlag mit Beiträgen von Kerry Brougher, Pia Müller-Tamm, Hiroshi Sugimoto, gestaltet von Takaaki Matsumoto. 384 Seiten, 221 Abb., davon 39 farbig, 181 in Triplex. 49,80 Euro im Museum